Auszeit gefällig? – Stille und Entspannung suchen und finden

Höllischer Lärm reißt mich um sieben Uhr morgens aus dem Bett. Berlin ist erwacht. Eine Kehrmaschine säubert die Straße, während ein Typ mit Presslufthammer direkt vor meiner Haustür den Gehsteig malträtiert. Hupende Autos, lärmende Kinder, die zur Schule gehen. Polizeisirenen in der Ferne. Die Stadt hat nur ein paar Stunden geschlafen, genau wie ich.

Auf dem Weg zur Arbeit bin ich permanent dem Bombardement der Werbeindustrie ausgesetzt. Jeder will etwas von mir, aber ich nichts von ihnen. Gibt es denn keinen Ort, an dem ich endlich Ruhe finden kann?

Gefängnis der Glückseligkeit

Ich laufe die Invalidenstraße entlang. Auf meiner Flucht vor Hektik und Lärm entdecke ich ein kleines, unscheinbares Tor, das nirgendwohin zu führen scheint. Ich gehe hindurch und lande in einer komplett anderen Welt. Die Sonne steht schon tief, die Szenerie wirkt ein wenig unheimlich. Skurrile Monumente aus Beton ragen in die Höhe und unterbrechen an vielen Stellen den sauber gemähten Rasen.

Nach einer Weile entdecke ich ein Schild. Es erklärt mir, dass ich im Geschichtspark gelandet bin und mitten in einer abstrakten Nachbildung des alten Moabiter Zellgefängnisses stehe. Ich betrachte die Betongebilde, fühle mich plötzlich in eine andere Zeit versetzt und gleichzeitig durch hohe Mauern, die Stress und Hektik fernhalten, geschützt. Ein seltsam abstraktes Glücksgefühl durchströmt mich. Ich freue mich diesen Ort für mich alleine zu haben, gleichzeitig finde ich es ungewohnt, aufregend und sogar ein bisschen gruselig.

Der Reiz des Vergänglichen

Ich beschließe das Experiment zu wiederholen und weitere unentdeckte Orte in meiner Stadt aufzuspüren. Dabei lande ich im Nordhafen, einer verlassenen Gegend an der Grenze zwischen Moabit, Stadtmitte und Wedding. Eine Rasenfläche mit Bänken, die zum Verweilen einladen. Dahinter die in der Abendsonne glitzernde Oberfläche des Hafenbeckens.

Hier und da entdecke ich alte, rostige Elemente im satten Grün. Überreste von Hafenkränen, die dem unerbittlichen Zahn der Zeit ausgesetzt sind und vielleicht bald im Nichts verschwinden werden. Auf der gegenüberliegenden Uferseite steht ein verfallenes Fabrikgebäude. Wie mag es hier ausgesehen haben, als der Nordhafen noch in Betrieb war? Als hunderte Arbeiter hier große Kisten und Container mit den Kränen auf Schiffe beförderten?

Im Friedhofscafé

Einen weiteren Ort, der mich vor allem an meine eigene Vergänglichkeit erinnert, entdecke ich in Kreuzberg. Ausgerechnet in der hektischen, mit Touristen überfluteten Bergmannstraße stoße ich zufällig auf das Café Strauss. Das kleine Lokal befindet sich in der ehemaligen Leichenhalle des Friedrichwerderschen Friedhofs. Durch das Fenster schaue ich nachdenklich auf die Grabsteine. Wo könnte es ruhiger und besinnlicher sein als an dem Ort wo wir unsere Toten begraben?

Ich bestelle einen Cappuccino und ein Stück selbst gebackenen Kuchen. Obwohl ich es reichlich bizarr finde Kaffee in einer Leichenhalle zu trinken, empfinde ich die Stimmung im Café Strauss nicht bedrückend. Eher bedächtig wirkt sie, fast schon erhaben, diese ungewöhnliche Atmosphäre. Sie regt mich zum Nachdenken an. Über Freunde, die längst gegangen sind. Über Fremde, dich ich nie getroffen habe, deren Namen ich jetzt aber durch die Inschriften auf den Grabsteinen kenne. Über Berlin und natürlich auch über mich selbst. Ruhe finden in Berlin geht also DOCH.

Es grünt so grün. Wo? – in Berlin

„Wieder echt super gewesen, das Parkfest“, meint eine junge Frau, bestimmt Studentin, mit knallroten Haaren, zerfetzter Jeans und haufenweise Piercings im Gesicht. „Wir hatten wie immer Riesenspaß und kommen beim nächsten Mal wieder“, kommentiert ein Pärchen das Ereignis im Park am Gleisdreieck. Nur eine ältere Dame mokiert sich: „Wenn dieser Herr Wosch endlich mal auf seinen Fäkaljournalismus verzichten würde, könnte man Radio 1 glatt anhören ohne dabei vor Scham rot zu werden.“

Geplant als Aktivareal und Ruheoase in der Stadt wurde vor einigen Jahren die brachliegende Fläche zwischen Yorkstraße und Möckernbrücke in eine neue „grüne Lunge“ verwandelt, von denen eine Stadt nie genug haben kann. Schmutzige, abbruchreife Industriegebäude wichen einem Volkspark, der nach dem Willen der Stadtplaner jedem etwas bieten soll. Technikverliebte Hipster, Skater und andere Jugendkulturen sollen sich dort ebenso wohlfühlen wie Kleingartenbetreiber, Taubenfütterer und was uns sonst noch zum Thema Falten, Krückstock und Rollator einfällt. Die Touristen haben den Park am Gleisdreieck auch schon entdeckt, wahrscheinlich stand irgendwann mal etwas darüber im Lonely Planet.

Musste nur hinkieken

Ich war zum ersten Mal da, obwohl es das Parkfest von Radio 1 schon seit fünf Jahren gibt. Hab im Internet gelesen, dass es kostenlos ist und mich spontan entschlossen vorbei zu schauen. So lange die Sonne schien, beschränkte sich das Angebot auf Fahren mit einer Draisine, Entspannungsübungen für Yoga-Fanatiker, ein comicartiges Musical und einen Musikladen für Kinder.

Dann kamen Pu und Khalid Bounouar von der RebellComedy und witzelten über den Albtraum ein reinrassiger Deutscher zu sein. Faber, ein Schweizer Musiker, der aussieht wie Cure-Sänger Robert Smith ohne Drogenrausch, übernahm die undankbare Rolle des Anheizers. Die Coverband Steve’n’Seagulls bekam den Mittelteil. „Say Yes Dog“, endlich mal eine Band aus Berlin (an diesem Abend), musste gegen Ende die feierwütige Menge mit ihrem Elektropop vertreiben, was ihr nicht wirklich gelang.

Die meisten Leute auf dem Festival waren grün gestrickt. Buttons auf ihren Jacken outeten sie als Walfang-Gegner, Umweltschützer und Friedensbefürworter. Sie diskutierten über ein Wohnungsbauprojekt in der Bautzener Brache, dass sie unsinnig fanden, fragten sich wann die Yorkbrücken endlich saniert werden und lästerten über einen sehr schwer erreichbaren Radweg an der Monumentenbrücke. Man merkte, dass ihnen die Stadt und auch der Park am Gleisdreieck am Herzen liegt. Sie wollen etwas tun, ihre Stadt zu einem besseren Ort machen. Und sie haben schon in der Kreidezeit aufgehört den Versprechen und Beteuerungen der Politik zu glauben.

Schaut man sich den Park am Gleisdreieck von oben an, was mit Google Maps ganz einfach geht, sieht man, dass die Grünanlage zweigeteilt ist. Es gibt einen Ost- und einen Westpark. So wie es mal ein Ost- und Westberlin gab. Die Bahnlinie als Mauerersatz trennt die eher ruhigen Kleingärtner von den Skatern und Festivalbesuchern. Eine Art grünes Mini-Berlin ist dieser Park. Getrennt und doch irgendwie zusammengewachsen. Laut und schrill, gleichzeitig ruhig und mondän. Offen für alles, multikulti und natürlich grün. Der geteilte Park am Gleisdreieck und auch die Besucher des Festivals wirken auf mich wie eine Metapher auf die Stadt. Musste nur hinkieken.

Endlich wieder Wahlen in Berlin!

Dieses Jahr ist es mal wieder soweit. Der Berliner Senat wird gewählt. Und als Berliner und verantwortungsvoller Bürger sollte man wählen gehen. Das ist zumindest meine Meinung. Sonst sollte man sich später auch nicht über das Ergebnis beschweren. Nur durch Mitgestalten klappt das Miteinander und um nichts Anderes geht es ja eigentlich bei jeder Wahl. Natürlich gibt es in Berlin einige Stellen, an denen dringend Handlungsbedarf besteht.

Vor dem oder im LaGeSo sammeln sich immer noch Trauben von Flüchtlingen, die auf eine bessere Unterbringung und Unterstützung hoffen. Alles dauert unendlich lang, weil einfach nicht genügend Mitarbeiter vorhanden sind oder die Bürokratie allzu viele Stolpersteine in den Weg legt, um den langen Strom Notleidender Menschen schneller und effektiver zu bedienen.

Die Mieten steigen trotz Mietbremse immer weiter, es fehlt vor allem an bezahlbarem Wohnraum, wer in die eigene Bude oder zur Arbeit kommen will, quält sich über teilweise marode Straßen und wagt sich todesmutig mit Fahrrad in den wenig fahrfreundlichen Straßenverkehr. Über den neuen Flughafen will ich gar nicht reden. Zu allem Überfluss glauben die Neonazis von der AfD, dass ihre Zeit gekommen sei und es langsam wieder Zeit für mehr Deutschland wäre. Was auch immer das bedeuten soll.

Immer wenn Wahlen anstehen, gibt es extra große Versprechen, Ankündigungen und Wahlversprechen. Die ganze Stadt wird mit Wahlplakaten zugekleistert, auch wenn die Wahlplakate bestimmt niemanden bei seiner Wahl beeinflussen und der Umwelt- und Ressourcenschutz gleich gänzlich auf der Strecke bleibt, auf dem Kudamm und vor dem Brandenburger Tor wird jedem ein Flyer in die Hand gedrückt, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Unser Bürgermeister Müller droht sogar den dreizehnjährigen Zahnspangenträgern damit, sie auf Snapchat heimzusuchen.

Was sich schlägt, das liebt sich

Trotz aller Nörgeleien, Gegensätzlichkeiten und Probleme halten wir Berliner am Ende aber doch immer zusammen. Das liegt an unserer Fähigkeit gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und auch an der Clubszene. Void, Maze und Yaam und noch ein paar andere bekannte Clubs starten dieses Jahr eine Plakataktion für Toleranz und Vielfalt.

Seit zwei Jahren rollt als Ersatz für die Loveparade ein „Zug der Liebe“ durch die Stadt. Und es wird Klartext gesprochen. Kein liebliches Gesäusel wie auf den Wahlplakaten von CDU und SPD. Stattdessen klare Ansagen für glatzköpfige Hakenkreuzschwinger. „Intoleranz ist Einfalt und keiner Bühne wert“, schreibt der Club Maze auf seine Plakate. „Gegen Hass und Ignoranz! AfD und NPD stoppen“, fordert das SchwuZ auf.

Wer nicht so auf Hippie-Romantik und Clubgedöns steht, findet andere Mittel gegen die Nazibrut. Der Klassiker ist natürlich das Demonstrieren. Ein anderer Klassiker ist Umgestalten von Wahlplakaten. Ein schnell mit Edding-Stift hingepinseltes Bärtchen für Frau Petry, die Storch übermalen wir am besten komplett. Brillen und Zigarettenkippen sind auch schnell auf die Gesichter gepinselt.

Jugendliche Hightech-Freaks werden noch kreativer. Eine App mit dem Titel „Augmented Vandalism“ lädt zum Verunzieren der Wahlplakate per Smartphone ein. Die fertigen Kunstwerke landen auf einem Tumblr-Blog mit gleichem Namen, der inzwischen leider gesperrt wurde, weil ein paar Typen dort unbedingt irgendwelchen Schweinkram abladen mussten.

Wie wird Berlin nach der Wahl aussehen? Wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist? Genau wie immer? In den Clubs wird auf jeden Fall weiter getanzt, Studenten zahlen zukünftig nicht mehr 400 Euro Miete für eine sanierungsbedürftige Unterkunft. Fahrradautobahnen bringen mich problemlos und schnell von A nach B und Berliner organisieren Feste für mehr Toleranz und das gute Miteinander leben in Berlin. Ein bisschen Hoffnung und Vertrauen kann ja nicht schaden.

Ein Wort über Türsteher

Natürlich müssen sie seyn und selbstverständlich ist es ein cooles Gefühl von ihnen bevorzugt zu werden, doch in Berlin gehen mir die Türsteher manchmal ziemlich auf die Nerven. Da steht irgendein Klüngel vor dem Club und meint, nur weil man Fleisch auf den Rippen und Tattoos und einen bedrohlichen Blick aufweisen kann, reiche das für die Befugnis zur Ordnung! Regt mich auf so etwas und nicht selten sind diese Gestalten auch weder freundlich noch zuvorkommend. Werfen wir heute also mal einen Blick auf die Zunft der Türsteher und Türsteherinnen, liebe Grünen, denn leider findet diese Klientel in der Kulturszene bisher viel zu wenig Beachtung. Und das bei den Muskeln!

Testosteron und Ordnungssinn

Sicher gibt es heute immer mehr Türsteherinnen und diese Gestalten krakeelen ihre kommerziell verliehene Macht dann auch oft genug sehr deutlich heraus. Aber im Verhältnis bilden Frauen natürlich die Minderheit und so treffen wir regelmäßig vor allem große, starke Männer vor dem Club. Diese treten mit einem gewissen Sinn für Ordnung auf, ähneln also Einrichtungen wie dem Wachschutz oder auch der Polizei. Einziger Unterschied: Türsteher haben kein Gewaltmonopol, glauben aber fest daran es irgendwie doch zu besitzen. Strenggenommen hat niemand das Recht, jemanden vom Betreten einer Lokalität mit Gewalt davon abzuhalten! Hier darf eigentlich nur die Polizei tätig seyn und kann ein Platzverbot aussprechen, doch die Türsteher interessiert das nicht. Da wird im Zeichen angeblicher Notwehr geprügelt, gedroht und manchmal sogar zugestochen und in vielen Fällen handelt es sich bei solchen Aktionen gar nicht um Defensive.

Mag seyn, dass hier Testosteron im Spiel ist und dass die Herren sich nicht richtig kontrollieren können. Oft genug sind Türsteher auch einfach nur Dummköpfe, die gerade so schreiben und lesen können, doch gibt ihnen das irgendein Recht Gäste brutal anzufahren und zusammenzuschlagen? Und dann das Opfer zu geben? Viele dieser Personen drücken sich einfach Anabolika in die Venen, blasen sich auf und schnaufen dann vor dem Club hin und her, am Ende auf Drogen, und das verspricht mir dann einen halbwegs sicheren Barbesuch?

Berliner Originale?

Ich hab auch leider immer noch verstanden, warum es eigentlich so viel Bedrohlichkeit braucht. Wenn irgendwelche Rowdys stören wollen, dann machen die das sowieso und die kratzen sich auch nicht an einer Visage! Die Gäste freilich würde es freuen, auch mal ein (raues) Lächeln zu sehen. Aber wahrscheinlich ist das schlichtweg ein No – Go der Türsteherbranche!

Bleibt abschließend die Frage nach dem Berliner Original. Keine Sorge, ich meine damit jetzt nicht die berühmten Figuren wie den Eckensteher Nante, sondern eben jene Figuren am Einlass. Sind da wirkliche Lebenskünstler und inspirative Leute darunter? Zweifellos, die gibt es und es lohnt sich, gerade den Auftritt, die Kleidung, den Esprit der Türsteher näher zu betrachten. Man tue das bitte etwas unauffälliger, denn wie bereits beschrieben sind die Köpfe zwar meistens haarlos, aber eben auch im Innern leer und das auffälliges Beobachten führt bei diesen Menschentypen vielleicht zu Unverständnis, im besten Falle. Wer sich die Zeit nimmt und genau hinschaut, der sieht recht schnell, ob es sich bei den Betreffenden um zugelaufene Hobby – Guards handelt oder ob hier eine Berliner Figur agiert. Letztere wäre trotz allem Gebaren irgendwie sympathisch, schließlich gehört auch einiges dazu, sich über Jahre und Jahrzehnte im Berliner Nachtleben zu bewähren.

Ist Berlin immer noch geteilt?

Touristen, Zuwanderer und die meisten Einwohner sowieso halten Berlin für eine besonders spannende Stadt und verweisen dabei auch auf das historische Erbe. Während in der Vergangenheit kalte Politik einen kalten Krieg anzettelte und inmitten dieser Auseinandersetzungen eine ganze Stadt in Haft nahm, scheint es heute geradezu umgekehrt und die Bewohner und Besucher der Hauptstadt scheinen direkt aufeinander zu kriechen, wohl in der Hoffnung, die alte Teilung endgültig zu überwinden und sey es durch blasierte Empathiekundgebungen. Aber lassen wir die Polemik, schließlich war die Trennung in Ost- und Westberlin real und hat viele Lebensläufe beeinflusst oder sogar zerstört.

Saubere Trennlinien

Ich meine jedoch dieser Tage eine andere Teilung ausmachen zu können in unserer Stadt und die ist nicht unbedingt geographisch. Klar, es gibt mit Charlottenburg und Weissensee Stadtteile, die nach Geld und Wohlstand riechen, aber diese Einteilung gab es schon immer und manche Grundstücke kosten nun mal mehr als andere. Die Trennung Berlin verläuft meines Erachtens durch die Leute selbst und macht sich fest an Identitäten, Zugehörigkeiten, Transformationen. Eine einstmals geteilte Stadt hat heute keine Mauern und sichtbaren Grenzen mehr, doch zwischen den Menschen werden die Zäune immer höher.
Dafür braucht niemand politische Denkweisen zu bemühen. Eine Demokratie muss NPD genauso aushalten wie die Grünen oder Marxisten. Kann sie das nicht, ist sie nichts wert und nur auf dem Abstieg. Menschen trennen sich heute bewusst ab und setzen dafür Maßstäbe wie Herkunft, Religion, Bildung und natürlich Einkommen. Sicher braucht jeder eine Identität und in der Postmoderne ist die Suche nach derselben schwierig wie niemals zu vor. Doch beobachte ich jeden Tag, wie die Gräben tiefer werden und damit meine ich nicht mal die üblichen integrationsunwilligen Großfamilien aus Anatolien. Deren Beschränktheit ist von so manchem Bundesbürger nicht weit entfernt und in der Regel sind diese Leute zu einer Selbstfügung des eigenen Lebens gar nicht in der Lage, weshalb es grotesk wäre, denen eine selbstbestimmte Verweigerung zu unterstellen.

Unschärfen

Das Problem sind vielmehr die Gebildeten, Gutsituierten. Der Faktor Bildung wird bei ihnen zum Dünkel und ganz abgesehen davon, dass die superschlauen Aktivisten für alles und jeden aus Berlin Prenzlauer Berg eigentlich nur an sich denken, vermuten einige Leute hinter diesem Gebaren noch immer eine Art Interesse an Gemeinwohl. Eitelkeit ist es jedoch, die hier zum Tragen kommt und all die Besserwisser übernehmen in der Regel keinerlei Verantwortung für Stadt und Land, nur für sich selbst. Wer sich dieser Autokratie verweigert, hat in Berlin ein Problem. Bestes Beispiel: Die obsessive Sehnsucht nach Originalität. Überdurchschnittlich viele in der Hauptstadt wünschen sich nichts mehr als individuell und besonders zu seyn. Nun ist ja klar, dass ein Pool besonderer Menschen im Ganzen auch nur eine graue Masse darstellt, doch die Trennung der Stadt wird auf diese Weise ziemlich eindeutig festgezurrt. Fehler sind nicht erlaubt, Kritik schon gar nicht und wenn man doch mal was sagt heißt es: Das ist die neue Berliner Kreativität

Ich meine: Das ist Narzissmus auf der einen, bodenlose Angst vor der Bedeutungslosigkeit auf der anderen Seite. Wirklich kreative und originelle Leute geben nicht damit an, sie schaffen Werke, stellen aus, überzeugen, diskutieren und lassen sich inspirieren. Und auch wenn jeder meint, das wäre doch in Berlin der Fall, so kann ich das nicht feststellen. Ich sehe nur ein Klima der Rechtfertigung und Aufgeblasenheit, das auf brutale Konkurrenz im Wollmantel der Nächstenliebe setzt. Mal schauen, wo diese Überzeugungen Berlin hin führen werden. Ein neuer Mauerfall in den Köpfen jedenfalls scheint nicht bevorzustehen.

Invisalign – Unsichtbar zu schönen Zähnen!

Invisalign BerlinHier kommt nun ein Verfahren, auf dass die Menschen mit schiefen Zähnen schon so lange sehnsüchtig gewartet haben dürften: Invisalign. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das in Amerika schon sehr lange praktiziert und in Europa seit einigen Jahren von erfahrenen Kieferspezialisten angeboten wird. Zahnspangen sind, das weiß jeder, spezielle Gerätschaften, die im Kindesalter, aber auch in späteren Jahren Fehlstellungen des Zahnapparates nachhaltig korrigieren sollen. In der Regel werden sie von Fachleuten eingesetzt, wobei die einzelnen Methoden grundsätzlich auch von jedem normalen Zahnarzt beherrscht werden sollten. Invisalign hingegen ist ein etwas aufwendigerer, aber gerade deshalb besonders schonender Ansatz und ich werde hier mal die wichtigsten Punkte dazu erläutern.

Die Grundlagen von Invisalign

Bei einigen leichten Fehlstellungen oder sich gerade erst abzeichnenden Entwicklungen hilft manchmal auch der Zahnspatel oder die so bezeichnete „Myofunktionelle Therapie.“ Diese ist im Grunde genommen eine Art präventive Physiotherapie, die mittels gezielter Übungen einer Schiefstellung vorbeugen soll. Der Zahnarzt erkennt solche sich abzeichnenden Fehlstellungen und empfiehlt in den leichten Fällen verschiedenes Training. Das ist immer wieder und vor allem regelmäßig durchzuführen und kann mit einer Art speziellen Kauens verglichen werden. Es bewirkt eine Stimulation, vor allem aber eine Kräftigung der Muskulatur und wer Glück hat, kommt damit davon und vermeidet den Einsatz einer Spange.

Bei vielen Leuten hingegen ist die Zahnklammer unabdingbar. Als sie vor über hundert Jahren erfunden wurde, stellte sie natürlich eine ungeheure Entlastung dar, denn schiefe Zähne neigen natürlich dazu, eher auszufallen und können darüber hinaus Schmerzen und Verwachsungen im Kiefer bedeuten. Die Menschen zur damaligen Zeit litten mehr oder minder stumm – bis Edward H. Angle die Zahnspange erfand. Das war zum Ende des Neunzehnten Jahrhunderts und die ersten Modelle waren aus dem sehr flexiblen Kautschuk und aus Klavierdrähten gefertigt und bargen nicht selten sogar eine immense Verletzungsgefahr. Mit den Jahren wurde das System verfeinert und durch unterschiedlich gestaltete Apparaturen ergänzt und verbessert und der Segen der Begradigung kam immer größeren Bevölkerungsschichten zugute. Schließlich entdeckte man auch die heilsame Rolle der Mundmuskulatur und setzte deren Wachstumsphasen gezielt für die Begradigung ein. Ich kann hier nicht alle Geräte und ihre Phasen aufzählen, möchte aber noch auf den Unterschied zwischen herausnehmbaren Platten und festsitzenden Geräten hinweisen. Letztere sind wohlbekannt, sitzen sie doch wie ein monströser Fremdkörper im Mundraum und jedes noch so geringe Lächeln wird zur peinlichen Qual. Freilich beharren viele Ärzte auf diesen Modellen, denn die im Gegensatz dazu herausnehmbaren Apparate sind zwar attraktiver, können aber oftmals die heilsame Wirkung schlecht entfalten. Warum? Nun, wer eine wechselbare Spange trägt, der neigt nicht selten dazu, diese immer mal gern herauszunehmen, zum Beispiel beim Essen, der Reinigung oder auch dem ersten Date – in der Pubertät schließlich keine Seltenheit! Damit die Zähne jedoch ihre Fehlstellung verlieren, ist ein konsequentes Tragen unabdingbar – was Jugendlichen gemeinhin schwer fallen mag. Invisalign nun überwinden diese Nachteile allesamt wie wir gleich sehen werden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auch endgültig flächendeckend durchsetzen dürften.

Invisalign – Das genaue Verfahren

Nomen est omen – der gängige Name der Methode setzt sich aus den englischen Worten „align“ (ausrichten) und „invisible“ (unsichtbar). Und beide Worte sind Programm, denn der Vorteil liegt bei diesem Verfahren auf der Hand: Die Zahnspange ist nicht wahrnehmbar! Natürlich, wer ganz nah an den Mund des Träger herangeht und hineinspäht, der wird auch diese Klammer erkennen – aber das ist zumindest im Alltag kaum der Fall! Der Trick sind die aus Kunststoff gefertigten Schienen. Wer sich für die Methode entschließt, den wird der behandelnde Kieferorthopäde zunächst einmal genau über die Arbeitsweise und die eigentliche Methodik aufklären. Danach wird dann mit einem speziellen Computerprogramm die Fehlstellung abgeglichen und das Ziel des Eingriffs aufgestellt. Nicht jeder hat schließlich die gleichen Probleme, auch wenn sich die Apparatur für grundsätzlich jeden eignen mag! Diese individuelle Anfertigung ist natürlich sehr vorteilhaft und geht in der Regel mit einer umfassenden Betreuung der Träger einher. Sie können bereits vor dem ersten Tragen der Schienen sehen, zu welcher Zeit sich genau welches Ergebnis einstellen dürfte. Damit ist die Behandlung wunderbar zu planen und in den allermeisten Fällen wird das auch eingehalten. Invisalign dauern ein halbes Jahr oder länger, höchstens jedoch 18 Monate – danach ist der Erfolg garantiert! Es ist zunächst einmal egal, wie alt der Patient ist, wobei sich die bekannten Wachstumsschübe in der Pubertät bei Jugendlichen ausgezeichnet zur Unterstützung und Beschleunigung nutzen lassen. Der Betroffene wächst schließlich rasant und das betrifft gerade auch seine Mundmuskulatur, ein Umstand, auf den Invisalign gezielt zurückgreift. Unterteilt ist die Behandlung wie bereits erwähnt in verschiedene Phasen, die einzeln jeweils etwa 2 Wochen dauern und die jede mit der Anfertigung einer genau passenden Schiene verbunden sind.

Wie ich bereits schon berichtete, kann es bei herausnehmbaren Spangen zu Problemen kommen und auch bei diesem Verfahren sind die Patienten zu Disziplin angehalten. 22 Stunden am Tag sind unabdingbar – was freilich nur selten zum Problem wird! Da die Schienen schlicht nicht zu sehen sind, tragen sie die Betroffenen in der Regel viel leichter und zuverlässiger als die anderen, sehr hässlichen Modelle. Das Ziel der Behandlung wird dadurch fast immer erreicht. Auch kann man in Ruhe essen und sich die Zähne hervorragend reinigen, ein Umstand, der eine nachhaltige Zahnhygiene sehr gut fördert und unterstützt.

Der Kieferorthopäde reinigt die Zähne zudem ebenfalls bevor die Schienen eingesetzt werden, was einer möglichen Verfärbung vorbeugt. Niemand muss sich mehr vor Folgeproblemen fürchten und die im Anschluss der Behandlung mit Invisalign nötige Retensionstherapie ist auch kein Problem. Sie dient dem Erhalt des erzielten Erfolges und wird vom Mediziner verständlich erklärt. Hin und wieder klagen Patienten über Lispeln, aber das verliert sich nach ein paar Tagen und ist bei anderen Methoden ebenfalls vorhanden – kein Grund zur Sorge also! Der durchsichtig gearbeitete Kunststoff passt sich perfekt an und kann immer wieder je nach aktuellem Stand durch eine neue Schiene ersetzt werden.

Einziger Nachteil: Die Krankenkassen in Deutschland sperren sich mal wieder gegen eine Zuzahlung oder Übernahme irgendwelcher Kosten. Es soll mal wieder das billigste vom Billigsten sein, das Wohl der Patienten spielt mal wieder keine Rolle. Doch stellt die Investition eine sehr lohnenswerte Beteiligung dar, die Träger können schließlich ungemein entlastet werden und brauchen keine Hänseleien und dergleichen fürchten. Wer privat versichert ist, bekommt vielleicht einen Zuschuss und sollte sich deshalb mit seinem Versicherungsinstitut in Verbindung setzen.

In Berlin gibt es einen ganz hervorragenden Kieferorthopäden, den ich nach ausführlicher Beschäftigung mit dem Thema nachdrücklich empfehlen kann:

Voslamber Praxis für Kieferorthopädie
Fechnerstraße 23
10717 Berlin
030 809080400

Berliner Schnauze

Jeder kennt sie, hat sie schon mal vernommen, sich vielleicht darüber geärgert oder sie zumindest als hochnäsig abgetan: Die vielgerühmte und zugleich berüchtigte Berliner Schnauze. Im Allgemeinen wird darunter diese lässige, ein wenig sogar herablassende Schnoddrigkeit der Berliner bezeichnet, die oft genug in ihren Kommentaren scharfzüngig, mindestens ironisch, oft genug aber auch sarkastisch oder sogar zynisch argumentiert und kommentiert. Außenstehender, die unsere Hauptstadt besuchen und der Berliner Schnauze begegnen, regen sich darüber maßlos auf und beschimpfen uns dann nicht selten als arrogante Städter, Hauptstädter allemal. Ich will hier gar nicht auf die sprachlichen Besonderheiten im Ganzen eingehen, das würde den Rahmen sprengen, da es sich dabei um einen sogenannten Metrolekt handelt, der schon Gegenstand zahlreicher Untersuchungen war. Wer sich für die Entstehung von „Icke“ und dergleichen interessiert, sollte mal im Internet oder in einer Bibliothek nachsehen, da findet sich viel Wissenswertes.

Vielmehr geht es mir ein bißchen um den derben Humor der Berliner.

In anderen Hauptstädten dieser Welt, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten, sind die Einwohner oft irgendwie verletzend und ihre scheinbar freundlich angebotene Hilfe resultiert vielleicht nur aus Berechnung und ist oft nicht richtig Ernst gemeint. Berliner hingegen sind ziemlich herzliche Leute, die, und genau das finde ich so faszinierend, ihr Herz am richtigen Fleck haben und die nunmal der Ansicht sind, der Mensch müsse auch etwas aushalten. All die Jammerlappen, die durch diese Welt tappen und Angst haben, angesprochen und in ihrer Ängstlichkeit peinlich berührt zu werden, sind das perfekte Opfer für den Humor der Hauptstadt.

berlin

Denn wie jeder weiß hat Berlin eine unfassbar bewegte Geschichte: Kriege, Teilung, Besatzung, Mauern und weiß der Kuckuck was noch alles haben die Menschen hier ein wenig abgehärtet, sie dabei aber nie ihrer Lust am Leben beraubt. Die Agonie West-Berlins zum Beispiel kontrastiert mit dem Gegockel der Ostberliner auf das Wunderbarste, hat aber die gleichen Ursprünge und die Leute in Ost wie West kommentierten ihre Lebenssituation auf sehr ähnliche Weise, wenn auch nach anderem Kontext. Berliner lassen sich eben nicht unterkriegen und in gewisser Hinsicht denken sie vielleicht auch, all die Gelder, die in unsere Stadt fließen, seien eine Art Ausgleich für all die Ereignisse der Vergangenheit. Man sollte nicht vergessen, dass weder die Berliner die Nazis an die Macht brachten noch den Eisernen Vorhang errichteten, das ist eben nur hier alles passiert, war aber immer das Werk von viel gewaltigeren Kräften. Und was bleibt einem da noch übrig, als sich sarkastisch zu äußern – ohne dabei im Kern verletzen zu wollen? Vielleicht glaubt der Berliner auch, der Zugereiste oder auch der Tourist müsse schon bereit sein, der hier erlebbaren Historie auch wirklich beiwohnen zu müssen und wer glaubt, er könne nur nach Berlin kommen, um hier Party zu machen und die Stadt zu verdrecken, der muss sich die entsprechenden Kommentare anhören. Feingeistige Kritik wie in Paris oder distinguierte Zurückhaltung, aber auch Arroganz wie in Moskau oder in Metropolen wie Hanoi und Washington (allesamt Hauptstädte) wird er hier nicht finden – und das ist doch eine Super – Sache! Humor ist eine gute Sache und ein bißchen Spott kann nicht schaden. Niemand sollte sich also große Sorgen machen, wenn ihn der Leierkastenspieler ein bißchen besingen mag oder die Dame beim Fleischer allzu heftig herumraunzt, weil man sich nicht zwischen Salami und Bierschinken entscheiden kann! Das ist normal und ein großer Gewinn, den eines ist auch völlig klar: Es fehlt uns auch niemals an Selbstironie!

Herzlich Willkommen!

zurueck in berlinNach Jahren des Umherreisens bin ich nun wieder in Berlin gelandet, der ohne Zweifel geilsten City in Europa, wenn nicht gar auf der Welt. Sicher, wer mal in Asien war, der weiß, dass dort richtig die Post abgeht und die Leute sich dort einen Dreck scheren, was aus anderern Regionen wird – genau wie die amerikanischen Städte im Zwanzigsten Jahrhundert! Aber Berlin ist eben auch noch ziemlich sozial und ausgewogen, es gibt diese geniale Mischung aus Armut und Reichtum und wer dazwischen lebt, findet soviele Inspirationen wie sonst nirgendwo. In Shanghai zum Beispiel sah ich die schönsten Mädchen der Welt und top angezogene Kerle, die jedem Model Konkurrenz machen würden – aber sie alle hetzen umher oder in ihren Augen blinken die Dollarzeichen (beziehungsweise die Yuan- Zeichen). Wenn man Kohle hat oder wenigstens jemanden kennt, kann man es dort richtig krachen lassen, wenn nicht, dann muss man leider zuschauen wie sich diese Elite amüsiert. In unserer Hauptstadt hingegen gibt es viele „offene“ Partys und man rockt noch gemeinsam, zumindest halbwegs. Ich habe nicht wirklich eine Ahnung (wer hat das schon), wo sich das hin entwickeln wird, aber zumindest in den nächsten Jahren dürfte diese einigermaßen erträgliche soziale Mixtur noch bestehen bleiben. Man muss nicht mal nach Asien oder nach Übersee gehen, schon in Frankreich lassen sich etwa viele Wohlhabende von quasi Privatarmeen beschützen und bleiben am liebsten unter sich, selbst wenn sich die Grande Nation und allem voran ihr neuer, wie mir scheint, ein wenig debiler Präsident, als soziale Supermacht generieren mag. Aber gut, das muss jeder Gesellschaft selber wissen und ich finde an Berlin so toll, dass hier oftmals noch die Kreativen die Mischung bestimmen und nicht der Staat oder das Konto des einzelnen. Ein bißchen von allem ist in Ordnung, am wichtigsten scheint mir jedoch, dass man den Menschen auch Ernst nimmt – was die Berliner Schnauze gerade tut! Dazu schreibe ich dann gleich ein wenig.

freundin und ichWer sich nun für alles mögliche und Unmögliche interessiert, der kann meinen Blog immer mal wieder besuchen und sich gerne mit mir austauschen. Ich bin immer interessiert und suche Inspiration und was wäre unsere Welt ohne Austausch und Diskussion? Das haben schließlich schon die Griechen erkannt, damals in der Antike, als sie sich noch nicht verschuldeten und ihren Sinn in Luxusgütern sahen und sie das Gespräch in den Mittelpunkt ihrer großen Kultur stellten. Das soll hier auch mein Motto sein und ich nehme mir die Freiheit heraus, über all das zu berichten, was ich faszinierend und wichtig halte. Wenn ich zum Beispiel über Zahnspangen schreibe, so scheint mir das eben bedeutsam, denn Dinge, die den Menschen helfen, im Leben besser klar zu kommen, sind doch viel wichtiger als der letzte Schrei aus Paris oder die fünfunachtzigste Verordnung aus Brüssel. Am Leben dran sein, das ist entscheidend und wir sollten mal aufpassen, dass der schnöde Mammon nicht auch noch das letzte bißchen Menschlichkeit aus uns herausschneidet.