ueber mich

Berliner Schnauze

Jeder kennt sie, hat sie schon mal vernommen, sich vielleicht darüber geärgert oder sie zumindest als hochnäsig abgetan: Die vielgerühmte und zugleich berüchtigte Berliner Schnauze. Im Allgemeinen wird darunter diese lässige, ein wenig sogar herablassende Schnoddrigkeit der Berliner bezeichnet, die oft genug in ihren Kommentaren scharfzüngig, mindestens ironisch, oft genug aber auch sarkastisch oder sogar zynisch argumentiert und kommentiert. Außenstehender, die unsere Hauptstadt besuchen und der Berliner Schnauze begegnen, regen sich darüber maßlos auf und beschimpfen uns dann nicht selten als arrogante Städter, Hauptstädter allemal. Ich will hier gar nicht auf die sprachlichen Besonderheiten im Ganzen eingehen, das würde den Rahmen sprengen, da es sich dabei um einen sogenannten Metrolekt handelt, der schon Gegenstand zahlreicher Untersuchungen war. Wer sich für die Entstehung von „Icke“ und dergleichen interessiert, sollte mal im Internet oder in einer Bibliothek nachsehen, da findet sich viel Wissenswertes.

Vielmehr geht es mir ein bißchen um den derben Humor der Berliner.

In anderen Hauptstädten dieser Welt, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten, sind die Einwohner oft irgendwie verletzend und ihre scheinbar freundlich angebotene Hilfe resultiert vielleicht nur aus Berechnung und ist oft nicht richtig Ernst gemeint. Berliner hingegen sind ziemlich herzliche Leute, die, und genau das finde ich so faszinierend, ihr Herz am richtigen Fleck haben und die nunmal der Ansicht sind, der Mensch müsse auch etwas aushalten. All die Jammerlappen, die durch diese Welt tappen und Angst haben, angesprochen und in ihrer Ängstlichkeit peinlich berührt zu werden, sind das perfekte Opfer für den Humor der Hauptstadt.

berlin

Denn wie jeder weiß hat Berlin eine unfassbar bewegte Geschichte: Kriege, Teilung, Besatzung, Mauern und weiß der Kuckuck was noch alles haben die Menschen hier ein wenig abgehärtet, sie dabei aber nie ihrer Lust am Leben beraubt. Die Agonie West-Berlins zum Beispiel kontrastiert mit dem Gegockel der Ostberliner auf das Wunderbarste, hat aber die gleichen Ursprünge und die Leute in Ost wie West kommentierten ihre Lebenssituation auf sehr ähnliche Weise, wenn auch nach anderem Kontext. Berliner lassen sich eben nicht unterkriegen und in gewisser Hinsicht denken sie vielleicht auch, all die Gelder, die in unsere Stadt fließen, seien eine Art Ausgleich für all die Ereignisse der Vergangenheit. Man sollte nicht vergessen, dass weder die Berliner die Nazis an die Macht brachten noch den Eisernen Vorhang errichteten, das ist eben nur hier alles passiert, war aber immer das Werk von viel gewaltigeren Kräften. Und was bleibt einem da noch übrig, als sich sarkastisch zu äußern – ohne dabei im Kern verletzen zu wollen? Vielleicht glaubt der Berliner auch, der Zugereiste oder auch der Tourist müsse schon bereit sein, der hier erlebbaren Historie auch wirklich beiwohnen zu müssen und wer glaubt, er könne nur nach Berlin kommen, um hier Party zu machen und die Stadt zu verdrecken, der muss sich die entsprechenden Kommentare anhören. Feingeistige Kritik wie in Paris oder distinguierte Zurückhaltung, aber auch Arroganz wie in Moskau oder in Metropolen wie Hanoi und Washington (allesamt Hauptstädte) wird er hier nicht finden – und das ist doch eine Super – Sache! Humor ist eine gute Sache und ein bißchen Spott kann nicht schaden. Niemand sollte sich also große Sorgen machen, wenn ihn der Leierkastenspieler ein bißchen besingen mag oder die Dame beim Fleischer allzu heftig herumraunzt, weil man sich nicht zwischen Salami und Bierschinken entscheiden kann! Das ist normal und ein großer Gewinn, den eines ist auch völlig klar: Es fehlt uns auch niemals an Selbstironie!

Herzlich Willkommen!

zurueck in berlinNach Jahren des Umherreisens bin ich nun wieder in Berlin gelandet, der ohne Zweifel geilsten City in Europa, wenn nicht gar auf der Welt. Sicher, wer mal in Asien war, der weiß, dass dort richtig die Post abgeht und die Leute sich dort einen Dreck scheren, was aus anderern Regionen wird – genau wie die amerikanischen Städte im Zwanzigsten Jahrhundert! Aber Berlin ist eben auch noch ziemlich sozial und ausgewogen, es gibt diese geniale Mischung aus Armut und Reichtum und wer dazwischen lebt, findet soviele Inspirationen wie sonst nirgendwo. In Shanghai zum Beispiel sah ich die schönsten Mädchen der Welt und top angezogene Kerle, die jedem Model Konkurrenz machen würden – aber sie alle hetzen umher oder in ihren Augen blinken die Dollarzeichen (beziehungsweise die Yuan- Zeichen). Wenn man Kohle hat oder wenigstens jemanden kennt, kann man es dort richtig krachen lassen, wenn nicht, dann muss man leider zuschauen wie sich diese Elite amüsiert. In unserer Hauptstadt hingegen gibt es viele „offene“ Partys und man rockt noch gemeinsam, zumindest halbwegs. Ich habe nicht wirklich eine Ahnung (wer hat das schon), wo sich das hin entwickeln wird, aber zumindest in den nächsten Jahren dürfte diese einigermaßen erträgliche soziale Mixtur noch bestehen bleiben. Man muss nicht mal nach Asien oder nach Übersee gehen, schon in Frankreich lassen sich etwa viele Wohlhabende von quasi Privatarmeen beschützen und bleiben am liebsten unter sich, selbst wenn sich die Grande Nation und allem voran ihr neuer, wie mir scheint, ein wenig debiler Präsident, als soziale Supermacht generieren mag. Aber gut, das muss jeder Gesellschaft selber wissen und ich finde an Berlin so toll, dass hier oftmals noch die Kreativen die Mischung bestimmen und nicht der Staat oder das Konto des einzelnen. Ein bißchen von allem ist in Ordnung, am wichtigsten scheint mir jedoch, dass man den Menschen auch Ernst nimmt – was die Berliner Schnauze gerade tut! Dazu schreibe ich dann gleich ein wenig.

freundin und ichWer sich nun für alles mögliche und Unmögliche interessiert, der kann meinen Blog immer mal wieder besuchen und sich gerne mit mir austauschen. Ich bin immer interessiert und suche Inspiration und was wäre unsere Welt ohne Austausch und Diskussion? Das haben schließlich schon die Griechen erkannt, damals in der Antike, als sie sich noch nicht verschuldeten und ihren Sinn in Luxusgütern sahen und sie das Gespräch in den Mittelpunkt ihrer großen Kultur stellten. Das soll hier auch mein Motto sein und ich nehme mir die Freiheit heraus, über all das zu berichten, was ich faszinierend und wichtig halte. Wenn ich zum Beispiel über Zahnspangen schreibe, so scheint mir das eben bedeutsam, denn Dinge, die den Menschen helfen, im Leben besser klar zu kommen, sind doch viel wichtiger als der letzte Schrei aus Paris oder die fünfunachtzigste Verordnung aus Brüssel. Am Leben dran sein, das ist entscheidend und wir sollten mal aufpassen, dass der schnöde Mammon nicht auch noch das letzte bißchen Menschlichkeit aus uns herausschneidet.