Endlich wieder Wahlen in Berlin!

Dieses Jahr ist es mal wieder soweit. Der Berliner Senat wird gewählt. Und als Berliner und verantwortungsvoller Bürger sollte man wählen gehen. Das ist zumindest meine Meinung. Sonst sollte man sich später auch nicht über das Ergebnis beschweren. Nur durch Mitgestalten klappt das Miteinander und um nichts Anderes geht es ja eigentlich bei jeder Wahl. Natürlich gibt es in Berlin einige Stellen, an denen dringend Handlungsbedarf besteht.

Vor dem oder im LaGeSo sammeln sich immer noch Trauben von Flüchtlingen, die auf eine bessere Unterbringung und Unterstützung hoffen. Alles dauert unendlich lang, weil einfach nicht genügend Mitarbeiter vorhanden sind oder die Bürokratie allzu viele Stolpersteine in den Weg legt, um den langen Strom Notleidender Menschen schneller und effektiver zu bedienen.

Die Mieten steigen trotz Mietbremse immer weiter, es fehlt vor allem an bezahlbarem Wohnraum, wer in die eigene Bude oder zur Arbeit kommen will, quält sich über teilweise marode Straßen und wagt sich todesmutig mit Fahrrad in den wenig fahrfreundlichen Straßenverkehr. Über den neuen Flughafen will ich gar nicht reden. Zu allem Überfluss glauben die Neonazis von der AfD, dass ihre Zeit gekommen sei und es langsam wieder Zeit für mehr Deutschland wäre. Was auch immer das bedeuten soll.

Immer wenn Wahlen anstehen, gibt es extra große Versprechen, Ankündigungen und Wahlversprechen. Die ganze Stadt wird mit Wahlplakaten zugekleistert, auch wenn die Wahlplakate bestimmt niemanden bei seiner Wahl beeinflussen und der Umwelt- und Ressourcenschutz gleich gänzlich auf der Strecke bleibt, auf dem Kudamm und vor dem Brandenburger Tor wird jedem ein Flyer in die Hand gedrückt, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Unser Bürgermeister Müller droht sogar den dreizehnjährigen Zahnspangenträgern damit, sie auf Snapchat heimzusuchen.

Was sich schlägt, das liebt sich

Trotz aller Nörgeleien, Gegensätzlichkeiten und Probleme halten wir Berliner am Ende aber doch immer zusammen. Das liegt an unserer Fähigkeit gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und auch an der Clubszene. Void, Maze und Yaam und noch ein paar andere bekannte Clubs starten dieses Jahr eine Plakataktion für Toleranz und Vielfalt.

Seit zwei Jahren rollt als Ersatz für die Loveparade ein „Zug der Liebe“ durch die Stadt. Und es wird Klartext gesprochen. Kein liebliches Gesäusel wie auf den Wahlplakaten von CDU und SPD. Stattdessen klare Ansagen für glatzköpfige Hakenkreuzschwinger. „Intoleranz ist Einfalt und keiner Bühne wert“, schreibt der Club Maze auf seine Plakate. „Gegen Hass und Ignoranz! AfD und NPD stoppen“, fordert das SchwuZ auf.

Wer nicht so auf Hippie-Romantik und Clubgedöns steht, findet andere Mittel gegen die Nazibrut. Der Klassiker ist natürlich das Demonstrieren. Ein anderer Klassiker ist Umgestalten von Wahlplakaten. Ein schnell mit Edding-Stift hingepinseltes Bärtchen für Frau Petry, die Storch übermalen wir am besten komplett. Brillen und Zigarettenkippen sind auch schnell auf die Gesichter gepinselt.

Jugendliche Hightech-Freaks werden noch kreativer. Eine App mit dem Titel „Augmented Vandalism“ lädt zum Verunzieren der Wahlplakate per Smartphone ein. Die fertigen Kunstwerke landen auf einem Tumblr-Blog mit gleichem Namen, der inzwischen leider gesperrt wurde, weil ein paar Typen dort unbedingt irgendwelchen Schweinkram abladen mussten.

Wie wird Berlin nach der Wahl aussehen? Wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist? Genau wie immer? In den Clubs wird auf jeden Fall weiter getanzt, Studenten zahlen zukünftig nicht mehr 400 Euro Miete für eine sanierungsbedürftige Unterkunft. Fahrradautobahnen bringen mich problemlos und schnell von A nach B und Berliner organisieren Feste für mehr Toleranz und das gute Miteinander leben in Berlin. Ein bisschen Hoffnung und Vertrauen kann ja nicht schaden.